Schulterschaden bei Säugling nach OP: Arzt haftet für Folge-OP und Krankengymnastik

Das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg hat einen Arzt mit Urteil vom 15.10.2014 (Az.: 5 U 77/14) zur Zahlung von rund 11.500,00 € Schadensersatz verurteilt, weil er in der Schlussphase einer Geburt eine Schulterdystokie (= nach der Geburt des kindlichen Kopfes auftretende inkorrekte Einstellung der kindlichen Schultern in das Becken der Mutter) bei vorliegendem Verdacht auf eine Makrosomie (= Geburtsgewicht des Kindes liegt über der 95. Perzentile) entweder nicht erkannt oder aber nicht ordnungsgemäß auf diese reagiert hat. Wer bei einem Verdacht auf Makrosomie – so das OLG – unter der Geburt eine Schulterdystokie nicht erkenne bzw. wer trotz Erkennens der Dystokie nicht die notwendigen Maßnahmen ergreife, begehe einen groben Diagnose- bzw. groben Behandlungsfehler. 

Darüber hinaus hat das OLG mit dem hier in Rede stehenden Urteil festgestellt, dass bei Personenschäden die Kosten solcher Heilbehandlungsmaßnahmen zu ersetzen seien, die aus medizinischer Sicht eine Heilung oder Linderung versprechen. Dabei müssten die erforderlichen Heilbehandlungsmaßnahmen nicht zwingend mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung deckungsgleich sein, sondern könnten darüber hinausgehen.