20.000 € Schmerzensgeld nach behandlungsfehlerhafter Speiseröhrenverletzung

Das Oberlandesgericht (OLG) hat mit Urteil vom 23.10.2015 (Az.: 26 U 182/13) Hamm hat entschieden, dass im Falle der Verletzung der Speiseröhre bei einer Halswirbelsäulen-Operation aus der Art der Verletzung auf einen Behandlungsfehler geschlossen werden kann.

Der Kläger ließ sich im Juni 2010 vom beklagten Facharzt für Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie im Bereich der Halswirbelsäule an der Bandscheibe operieren. Bei dem Eingriff mit Cage-Fusion und Prothesenimplantation kam es zu einer Verletzung der Speiseröhre, die mit einem weiteren Eingriff als Notfall operativ versorgt werden musste. In der Folgezeit musste der Kläger etwa fünf Monate über eine Magensonde ernährt werden. Als Folgeschaden bleiben Schluckbeschwerden, durch die der Kläger voraussichtlich dauerhaft beeinträchtigt sein wird. Vom Beklagten hatte der Kläger Schadensersatz sowie u.a. ein Schmerzensgeld von 40.000,00 €.

 

Das Landgericht (LG) Bochum hatte dem Kläger bereits erstinstanzlich einen Anspruch auf Schmerzensgeld zugesprochen.

Das OLG Hamm hat das erstinstanzliche Urteil bestätigt und dem Kläger 20.000,00 € Schmerzensgeld zugesprochen.

 

Nach Auffassung des OLG könne bei derartigen Bandscheibenoperationen die Speiseröhre zwar auch bei einem regelgerechten ärztlichen Vorgehen verletzt werden. Der Beklagte habe die Speiseröhre aber behandlungsfehlerhaft verletzt, weil er ihre Lage während der Bandscheibenoperation nicht hinreichend überprüft habe. Hätte er ihre Lage vor der Präparation etwa mittels einer Schere überprüft, wäre die Verletzung zu vermeiden gewesen. Nach den Angaben des Sachverständigen sei diese Überprüfung auch vor diesem Hintergrund (d.h. zur Vermeidung einer entsprechenden Verletzung) medizinisch geboten gewesen. 

 

Ausgehend hiervon – so das OLG – stelle das Unterlassen der Kontrolle, die eine ansonsten auch bei sorgfältigem Vorgehen durchaus mögliche Schädigung des Patienten verhindert hätte, juristisch einen Behandlungsfehler dar. In Übereinstimmung mit dem medizinischen Sachverständigen sei der Fehler als einfacher Behandlungsfehler zu bewerten. Die vom Kläger erlittenen Beeinträchtigungen, die nachweisbar auf diesen Fehler zurückzuführen seien, rechtfertigten nach Auffassung des OLG das zuerkannte Schmerzensgeld in Höhe von 20.000,00 €.