Besondere Sicherheitsmaßnahme bei der Dialyse blinder Patienten

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat mit Urteil vom 16.02.2016 (Az.: 26 U 18/15) entschieden, dass bei der Dialyse von Patienten mit Einschränkungen besondere Maßnahmen wie z.B. die Fixierung des mit der Dialysenadel versehenen Arms geboten sein können, um eine lebensgefährdende Lageveränderung der Dialysenadel während der Behandlung zu verhindern.

Vor dem OLG Hamm hatte die Haftungsklage der Ehefrau eines verstorbenen Patienten gegen Ärzte einer nephrologischen Praxis Erfolg, in der der aufgrund einer Diabeteserkrankung erblindete Patient dreimal wöchentlich eine Dialysebehandlung hatte durchführen lassen. Im Juni 2014 hatte sich dabei eine der im linken Oberarm befestigten Dialysenadeln gelöst, und die dadurch ausgelöste Blutung hatte den Tod des Patienten verursacht. 

 

Aufgrund fehlerhafter Dialysebehandlung sprach das OLG Hamm den Erben des Patienten 5.000,00 € Schmerzensgeld und Beerdigungskosten zu. Die Beklagten hätten es versäumt, die in der besonderen Situation des blinden Patienten gebotenen Maßnahmen zu treffen, mit denen eine Dislokation der Dialysenadel mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu verhindern gewesen sei. Bei dem erblindeten Patienten sei es insofern geboten gewesen, seinen linken Arm während der Dialysebehandlung zu fixieren. Keinesfalls hätte man sich darauf verlassen können, dass der Patient bei einem Blutverlust rechtzeitig Alarm auslöse. 

 

Zumindest hätte der Patient – so das OLG – vor Behandlungsbeginn darüber aufgeklärt werden müssen, dass es im seltenen Fall einer Dislokation der Dialysenadel zu einem tödlichen Blutverlust kommen und dieses Risiko durch eine Fixierung des Arms nahezu ausgeschlossen werden kann, so dass der Patient dann im Rahmen seines Selbstbestimmungsrechts über die Fixierung hätte entscheiden können.