Risikoaufklärung vor einer Versteifungsoperation

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat mit Urteil vom 08.07.2016 (Az.: 26 U 203/15) entschieden, dass ein Arzt einen Patienten vor einer Versteifungsoperation des Sprunggelenks (= Arthrodese) unter bestimmten Voraussetzungen über das Risiko einer Pseudoarthrose aufzuklären habe. Versäumt der Arzt dies, könne – so das OLG – im Einzelfall ein Schmerzensgeld in Höhe von 6.000,00 Euro gerechtfertigt sein.

Der Kläger, von Beruf Metallbaumeister und Berufskraftfahrer, suchte im Januar 2013 die beklagte ärztliche Gemeinschaftspraxis auf mit Beschwerden im rechten oberen Sprunggelenk, das rund 30 Jahre zuvor nach einer Fraktur operativ versorgt worden war. In der beklagten Praxis wurde eine Arthrose diagnostiziert, die zunächst konservativ behandelt wurde. Nachdem die Behandlung erfolglos blieb, empfahl der behandelnde Arzt dem Kläger eine Versteifungsoperation. Diese Arthrodese ließ der Kläger dann auch durch den Arzt durchführen. In der Folge verwirklichte sich beim Kläger eine Pseudoarthrose (= ausbleibende Heilung), weil die gewünschte knöcherne Konsolidierung ausblieb. Hierdurch entstand eine Spitzfußstellung, die der Kläger im weiteren Verlauf mit einer Rearthrodese operativ behandeln ließ.

 

Mit der Begründung, die Versteifungsoperation sei behandlungsfehlerhaft ausgeführt und er zuvor nicht ausreichend über die Operationsrisiken aufgeklärt worden, verlangte der Kläger von der beklagten Praxis Schadensersatz, und zwar unter anderem ein Schmerzensgeld in Höhe von 6.000 Euro.

 

In zweiter Instanz vor dem OLG war die Klage erfolgreich. Nach der Anhörung der Parteien und einem eingeholten medizinischen Sachverständigengutachten verurteilte das OLG die beklagte Praxis aufgrund eines Aufklärungsfehlers zum Schadensersatz. Denn nach Auffassung des OLG sei die durchgeführte Risikoaufklärung des Klägers defizitär gewesen, weil nicht mit ausreichender Sicherheit feststellbar sei, dass der Kläger über das erhöhte Risiko einer Pseudoarthrose mit der Folge einer Schraubenlockerung aufgeklärt worden sei. Dieses Risiko habe nach den Angaben des medizinischen Sachverständigen in dem nicht unerheblichen Umfang von 14 % bestanden und sei deswegen in jedem Fall aufklärungspflichtig gewesen. Die für die Aufklärung darlegungs- und beweispflichtige Beklagtenseite habe die gebotene Aufklärung nicht nachweisen können.

 

Auch von einer hypothetischen Einwilligung des Klägers sei – entgegen der Auffassung des Landgerichts – nach dem Dafürhalten des OLG nicht auszugehen. Der Kläger habe – so das OLG – plausibel dargelegt, dass er sich bei ordnungsgemäßer Aufklärung in einem Entscheidungskonflikt befunden hätte. In diesem Fall hätte er sich zumindest noch einmal ärztlichen Rat in einer anderen Klinik eingeholt, für die er auch bereits eine Überweisung gehabt habe. Da es sich nicht um eine Bagatelloperation gehandelt habe, sei es durchaus nachvollziehbar, dass ein Patient vor der Operation eine zweite Meinung einholen wolle.

 

Unter Berücksichtigung des Vorstehenden hielt das OLG hält vom Kläger verlangtes Schmerzensgeld in Höhe von 6.000 Euro für angemessen.