Behandlungsfehler


Ein Arzt schuldet seinem Patienten eine fachgerechte sowie eine sorgfältige und dem anerkannten medizinischen Standard entsprechende Behandlung. Ein ungerechtfertigtes Unterschreiten des sog. Facharztstandards stellt in der Regel einen ärztlichen Behandlungsfehler – auch Kunstfehler oder auch Ärztepfusch genannt – dar, der eine Schadensersatzpflicht des Arztes begründen kann (Behandlungsfehlerhaftung). Mögliche Behandlungsfehler sind Diagnosefehler, Befunderhebungsfehler, Fehler bei der Therapiewahl und bei der Durchführung der Therapie sowie Organisationsfehler bzw. Überwachungsverschulden, Qualitätsmängel und Fehler bei der Nachsorge. Hinzu kommt die Verpflichtung des Arztes, den Patienten über die mit der jeweiligen Krankheit bzw. Behandlung verbundenen Risiken bzw. Gefahren, über die Erfolgsaussichten und wirtschaftlichen Folgen sowie über echte Behandlungsalternativen aufzuklären (Haftung für Aufklärungsfehler). Die Zahl der Behandlungsfehler wird aktuell auf bis zu 200.000 jährlich geschätzt.

 

Ein grober Behandlungsfehler liegt vor, wenn derart schwer gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen wird, dass von einem Fehlverhalten gesprochen werden muss, das einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf. Es handelt sich dabei um eine juristische und nicht um eine medizinische Bewertung. Die Unterscheidung zwischen einem einfachen und einem groben Behandlungsfehler ist in einem Arzthaftungsprozess von großer Bedeutung. Denn im Normalfall muss der Patient zunächst beweisen, dass der Arzt einen Behandlungsfehler begangen hat. Darüber hinaus muss der Patient dann aber auch noch den Nachweis führen, dass gerade dieser Fehler zu einem Schaden geführt hat (haftungsbegründende Kausalität). Gelingt es dem Patienten hingegen, dem Arzt einen groben Behandlungsfehler nachzuweisen, tritt hierdurch eine sog. Beweislastumkehr ein. D.h., dass dann nicht mehr der Patient insbesondere den Kausalzusammenhang nachzuweisen hat, sondern der Arzt jetzt beweisen muss, dass sein – grober – Fehler den Schaden des Patienten nicht verursacht hat.