Zahnarzthaftung


Behandlungsfehler von Zahnärzten sind medizinrechtlich „normale“ Behandlungsfehler. In den überwiegenden Fällen sind jedoch drei praktische Besonderheiten zu berücksichtigen: Erstens kann bei Zahnarztfehlern meist nicht länger zugewartet werden, da die Zähne schmerzen; auch verschlechtert sich – abgesehen von unerträglichen Schmerzen – der Zustand regelmäßig, und es droht bei weiterer Untätigkeit ein Zahnverlust oder eine sonstige schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigung. Zweitens gibt es (anders als bei anderen ärztlichen Behandlungen) vielfach einen beträchtlichen Eigenanteil am (zahn-) ärztlichen Honorar, der aus der Sicht des Patienten für die Nachbehandlung nicht noch einmal gezahlt werden soll. Und drittens erklärt oftmals der Nachbehandler, dass er keine durchgreifende (zahn-) ärztliche Behandlung ausführen werde, solange der Streit mit dem Vorbehandler nicht geklärt ist.

 

Natürlich kann auch diese Situation juristisch geklärt werden. Aber bis zu einer letztinstanzlichen gerichtlichen Entscheidung vergehen meist mehrere Jahre. Und in der Zwischenzeit schmerzen die Zähne weiter, oder es droht sogar deren Verlust. In diesem Dilemma steht früher oder später die Entscheidung an, einen Nachbehandler zu beauftragen und das Risiko in Kauf zu nehmen, dessen Kosten aus eigener Tasche zahlen zu müssen oder sich von dem „alten“ Zahnarzt weiterbehandeln zu lassen mit dem Risiko, dass die Fehlerhaftigkeit von diesem Behandler nicht behoben werden kann.

 

Zu den häufigsten Behandlungsfehlern von Zahnärzten zählen:

  • die Extraktion eines Zahnes ohne medizinische Indikation bzw. ohne die gebotene Aufklärung über (alternative) Erhaltungsmaßnahmen,
  • Fehler bei einer Wurzelspitzenresektion bzw. bei Wurzelkanalbehandlungen mit der Folge einer anschließend notwendigen Zahnextraktion,
  • Fehler bei der Insertion (= Setzung) von Implantaten,
  • Planungs- und Ausführungsfehler bei einer prothetischen Versorgung,
  • Verursachung einer sog. CMD-Erkrankung (= craniomandibuläre Dysfunktion) durch eine fehlerhafte prothetische Versorgung und / oder durch eine unterbliebene Durchführung von Funktionsdiagnostiken,
  • Fehler bei einer Kariesbehandlung oder einer Füllungstherapie,
  • Verursachung einer Nervverletzung (z.B. Nervus alveolaris inferior) durch die Zahnextraktion, durch die Insertion eines Implantates oder durch die Lokal- bzw. Leitungsanästhesie.

Darüber hinaus stellt sich beim Auftreten zahnärztlicher Behandlungsfehler häufig die Frage, in welchem Umfang der Zahnarzt von dem Patienten die Einräumung einer Nachbesserungsmöglichkeit verlangen kann.

 

Des Weiteren ist bei Behandlungsfehlern eines Zahnarztes vielfach zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen der Patient den Behandlungsvertrag kündigen und von seinem Zahnarzt das Honorar für die Planung, Herstellung und Einpassung von Zahnersatz nach § 628 Abs. 1 Satz 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) zurückverlangen kann. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit seinem Urteil vom 29.03.2011 (Az: VI ZR 133/10) die Voraussetzungen, unter denen ein Patient im Falle einer Kündigung des Behandlungsvertrages sein bereits gezahltes Zahnarzthonorar zurückfordern kann, wie folgt konkretisiert:

  • Der Patient kann eine Rückzahlung des Honorars verlangen, wenn der Zahnarzt durch sein vertragswidriges Verhalten die Kündigung des Patienten veranlasst hat. Der Haftungsmaßstab richtet sich dabei nach § 628 BGB. Dabei muss kein schwerwiegender (grober) Behandlungsfehler nachgewiesen sein, aber auch nicht jeder geringfügige Verstoß ist ausreichend.
  • Der Patient darf kein Interesse mehr an den erbrachten zahnärztlichen Leistungen haben. Das ist grundsätzlich dann der Fall, wenn der Patient die beanstandete zahnärztliche Leistung nicht mehr weiter nutzen kann, z.B. weil der Nachbehandler nicht auf die Leistungen des Vorbehandlers aufbauen kann oder will.
  • Schließlich muss die Leistung des Zahnarztes wirtschaftlich nicht verwertbar, also unbrauchbar sein, und der Patient darf den monierten Zahnersatz auch tatsächlich nicht mehr nutzen.